Sevilla

In Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens, leben etwa 700000 Menschen (in der Großregion 1,8 Millionen). Diese sind auf ihre Stadt und deren lange Geschichte besonders stolz.

Die Gründung von Sevilla liegt mehr als 2000 Jahre zurück, schon damals war sie ein wichtiges Handelszentrum, hieß in der Antike aber noch Hispalis und befand sich in römischem Besitz. Der Name hielt sich bis zum Jahre 712, als die Mauren die Stadt eroberten und ihr den Namen Sevilla gaben.

In den folgenden Jahrhunderten befand sie sich dann unter wechselnder Herrschaft und wurde erst 1248 von Ferdinand III. erobert, der die jahrhundertelange muslimische Vorherrschaft in der Stadt beendete und sie in den Besitz der christlichen Spanier führte. In der Folgezeit verließen allerdings viele muslimische Geschäftsleute die Stadt, was zur Folge hatte, dass die Wirtschaftskraft enorm sank.

Nachdem Sevilla einige Jahrhunderte hinweg relativ unbedeutend war, änderte sich dies in der Kolonialzeit im 16. und 17.Jahrhundert, als die Stadt Hauptumschlagsplatz des Seehandels zwischen dem spanischen Mutterland und den Überseegebieten wurde. Das machte sie am Ende des 16. Jahrhunderts zur drittgrößten Metropole weltweit. Das änderte sich schließlich 1680, als die gesamte Flotte nach Cádiz verlegt und Sevilla damit unbedeutend wurde. Erst das 20. Jahrhundert brachte durch die iberoamerikanische Ausstellung im Jahr 1929 und die Expo 1992 frischen Wind in die Stadt, die Infrastruktur wurde verbessert und die Stadt erlebt eine bis heute anhaltende Renaissance.

Sehenswürdigkeiten in Sevilla

Kathedrale

Das mit Abstand bedeutendste und bekannteste Bauwerk in Sevilla ist die christliche Kathedrale sowie die in dieses Gebäude integrierte muslimische Giralda.

Dieses Nebeneinander von Christentum und Islam erklärt sich aus der Geschichte des Stadt, die zunächst durch die Religion des Islam und erst später durch das Christentum dominiert wurde. Sie liegt direkt im Stadtzentrum und ist heute die Bischofskirche des Erzbistums Sevilla. Steht man vor ihr, kann man den Anfang und das Ende der Kirche kaum absehen, denn mit einer Länge von 115 m und einer Breite von 76 m gehört sie zu den größten Kirchen der Welt. Erbaut wurde sie bereits im 15. Jahrhundert, was auch ihren gotischen Stil erklärt.

Herzstück der Kathedrale ist die sogenannte Capilla Mayor. Hier sind auf einer riesengroßen Fläche mehr als 1000 von Hand geschnitzte Figuren zu sehen, die das Leben Jesu auf beeindruckende Art nachstellen. Ein Besuch dieser Kirche ist in Sevilla ein absolutes Muss, auch wenn man sich erst einmal in die lange Warteschlange einreihen muss, bevor man im Inneren auf angenehm kühle Temperaturen trifft. Gerade in den Sommermonaten ist dies mehr als eine willkommene Abwechslung, denn dann steigt das Thermometer in Sevilla oftmals auf über 40 Grad.

Giralda

Die Giralda, ein 82 m hoher Turm, ist Bestandteil der Kathedrale, war aber vor dem Abriss und dem Neubau im 15. Jahrhundert das ehemalige Minarett der Hauptmoschee von Sevilla. Heute dient sie als Glockentrum der Kathedrale. So erklärt sich die Symbiose aus christlicher Baukunst und muslimischen Einschlägen.

Alcazar

In unmittelbarer Nähe zur Kathedrale findet man als Besucher die Festungsanlage Alcazar. Dieser mittelalterliche Königspalast wurde zuerst als maurisches Fort angelegt und erst in späteren Zeiten wurde die gesamte Anlage zum Palast erweitert. Auf dem sehr weiträumigen und vor allem sehr grünem Gelände kann man zahlreiche Bilder, Wandteppiche und andere Kunstwerke bestaunen oder auf einer Bank in den Gartenanlagen entspannen und die Füße in der Gluthitze des Sommers hochlegen.

Plaza de Espana

Das letzte Highlight Sevillas ist der Plaza de Espana. Dieser halbkreisförmige Platz wird umgrenzt durch viele verschiedene Gebäude, die optisch eine Einheit bilden und die wie eine Mischung aus Renaissance und Barock aussehen. Besonders romantisch ist dabei der künstlich angelegte Kanal sowie die an Venedig erinnernden Brücken über den Kanal. Insgesamt beträgt der Durchmesser dieses bekanntesten Platzes in Sevilla etwa 200 m und damit gehört er zu den größten freien Plätzen in Spanien.

Persönlichkeiten und Feiertage

Eine der berühmtesten Persönlichkeiten Sevillas ist der eigentlich im italienischen Genua geborene Christoph Kolumbus, der auf seinen zahlreichen Entdeckungsfahrten den Spaniern den Weg und die Kolonialherrschaft über weite Teile Mittel- und Südamerikas ebnete.

Dabei ist bis heute äußerst umstritten, ob sich seine sterblichen Überreste tatsächlich in der Kathedrale von Sevilla befinden. Er ist allerdings bis heute auch als Wegbereiter des Katholizismus in Südamerika bedeutend, denn während in Spanien der Katholizismus bereits Staatsreligion war, wurden diese religiösen Vorstellungen in der Kolonialwelt in Südamerika zum Teil mit Gewalt durchgesetzt. Das hat Kolumbus und der katholischen Kirche bis heute sehr viel Kritik eingebracht, dennoch lässt sich nicht bestreiten, das der Glaube auch heute noch eine große Rolle in der Stadt spielt.

Jedes Jahr in der Karwoche werden nämlich die Bilder biblischer Figuren oder der Heiligen aus den Kirchen nach draußen in einer großen Prozession durch die Stadt getragen. Sollte man als Besucher zur Osterzeit in Sevilla sein, muss man sich diese Spektakel ansehen – ganz gleich, ob man daran glaubt oder nicht. Sevilla ist aber nicht nur die letzte Ruhestätte eines der wohl bekanntesten Entdeckers, sondern auch Geburtsort bekannter Literaten. So erhielt der aus Sevilla stammende der Lyriker Vicente Aleixandre y Merlos für sein unerschrockenes Eintreten für die Menschenrechte und gegen den Faschismus in den 30er Jahren im Jahre 1977 den Nobelpreis für Literatur.

Das könnte Sie auch interessieren